Über Schlamm, Gold und den Duft von frisch gebackenem Brot

Timo, mein Partner und ich waren am Samstag zu zweit (wenn ich genau bin, inklusive Bauchzwerg, zu dritt) frühstücken. Ein namentlich bekannter Bäckereibesitzer in Graz hat eine neue, riesige Filiale eröffnet. Man kann darin sehen wie das wie Mehl gemahlen und zu Teil von Brot wird, wo die Bohnen des Rohkaffes verarbeitet werden und letztendlich, nach vielen kleinen Schritten, alles seinen Platz findet und ruht, bevor es gekauft wird.
Es riecht nach frisch gebackenem Gebäck und gebrautem Kaffee.

Wir waren da eine ganze Weile. Überwiegend still und schauend. Es gab viel zu sehen und ich empfand eine eigenartige Ruhe in all dem Trubel.

Das Team hatte alle Hände voll zu tun hatte, war merklich gefordert mit den vielen Menschen und ich vermute mit der gesamten Situation - neues Team, vielleicht eine ganz neue Arbeit, neue Technik etc.
Menschen klopften mit Besteck an Gläser und riefen "...zahlen, wir wollen jetzt endlich zahlen...". Das Pärchen am Nachbartisch stellt fest "...die müssen halt einfach mehr Studenten anstellen für den Samstag, so wird das nix hier, bis mei Frühstück kommt is es ja Mittag...".

Es passierte zweimal, dass Kellner:innen an unseren Tisch kamen und sich vorweg, ohne dass Timo oder ich etwas beanstandet hätten, sich entschuldigten.

Als ich mir die riesigen Holzöfen aus der Nähe anschaute kam der Bäckermeister zu mir, um mir die neueste Brotvariante als Kostprobe anzubieten. Ich war echt vollgegessen, aber ich nahm ein Stück - seine Augen strahlten, als er mir davon erzählte, dass außer 80% Roggen, 20% Weizen und ein wenig Salz "nix drinn' ist im Sauerteig".

Er: "Sind Sie zufrieden während Ihrem Besuch?"
Ich: "Ja, sehr. Das Essen war super lecker und ich bin fasziniert von dem was ich hier alles sehe."
Er: "Ja, es tut mir sehr leid, es muss sich alles erst einspielen hier."
Ich: "Wie bitte? Achso so, Sie meinen, weil man vielleicht länger wartet, als wenn ein Betrieb schon gut eingespielt ist?"
Er: "Wir haben so viele Beschwerden und Beschwerde E Mails bekommen in den letzten Tagen, wir hoffen, wir werden alles bald besser machen!"
Ich: "Ich bedauere, dass Sie anscheinend eher hören was sich alles noch entwickeln darf, anstatt auch erzählt zu bekommen, was alles in Hülle und Fülle vorhanden ist!..."
...


Was will ich hier mit dir teilen? Mein Herz ist voller DANKBARKEIT!

Ich habe die letzten Wochen im Schlamm verbracht. So hat es sich angefühlt - trüb, unklar, deprimierend, ekelig. Nicht die ganz Zeit, aber sehr oft. Das hatte vielleicht überwiegend mit den ersten Schwangerschaftswochen zu tun, vielleicht aber auch nicht, oder nicht nur - es ist auch pups egal!

Etwas in mir trug mich durch diese Wochen. Ein inneres Wissen, man kann es vielleicht auch Vertrauen nennen. Vertrauen ins Leben. Das BewusstSein, dass der natürliche Rhythmus des Lebens

Ein- und Ausatmen ist.
Verwirrung- und Klarheit.
Dunkel- und Licht.
Ebbe- und Flut.
Leben- und Tot.
Tag- und Nacht.


Es gab mir Hoffnung, Vertrauen und Kraft, das Prinzip des Lebens nicht in Frage zu stellen.

Also war ich still, am liebsten mit mir alleine und hab gehalten, so gut ich konnte, was sich zeigt.

Letzte Woche, von einem Tag auf dem anderen brach die Welle und ich erlebte das Gefühl von Gold, dass aus meiner Brust strahlt - liquid love. Demut, Zufriedenheit, Glück und ja, Erleichterung...äh ja, auch kaum mehr Übelkeit und andere intensive Frühschwangerschaftssymptome :)

Ich genieße diese Phase der Welle in vollen Zügen - genieße die Ruhe und Schönheit die ich beim Bäcker in mir erlebe, wenn mega viel los ist und ich mir sehr bewusst bin, dass ich auch anders kann -> volle in der Bewertung und am Verurteilen!

Ich bin unglaublich dankbar, dass ich Phasen in meinem Leben erleben kann, in denen ich mehr SEHE und LEBE als je zuvor. LIVING PASSION

Ich bin unglaublich dankbar, dass ich Phasen in meinem Leben erleben kann, in denen ich im Schlamm verharre und ich mehr Akzeptanz und Mitgefühl erleben kann für mich, als je zuvor. LIVING COMPASSION